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World Emoji Day: Das kleine Symbol, das große Missverständnisse verhindert

Jeden Tag werden Milliarden Nachrichten verschickt, ohne dass die Beteiligten sich dabei sehen oder hören. Was dabei verloren geht, ist mehr als man denkt. Kein Tonfall, keine Gestik, keiner dieser kleinen Momente, in denen deutlich wird, ob jemand gerade lacht, traurig oder höflich ist. In diesem Vakuum können selbst freundlich gemeinte Sätze falsch ankommen. Emojis sind der Versuch, das zu reparieren, und es funktioniert erstaunlich gut. Seit dem 17. Juli 2014 gibt es sogar einen eigenen Feiertag für sie.

Was steckt hinter dem World Emoji Day?

Der World Emoji Day ist ein Aktionstag rund um die kleinen Bildzeichen, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten in unsere digitale Kommunikation eingeschlichen haben, zunächst als schlichte Zeichenkombinationen wie :-) oder ;-), dann als die bunten Symbole, die wir heute kennen. Er stellt aber auch eine Frage, die so banal wirkt, dass man sie fast übersieht. Wie drückt man Gefühle im Text aus?

Ein Zwinkern hinter einem Satz, ein Herz am Ende einer Nachricht, ein schulterzuckendes Gesicht als Antwort auf eine unbeantwortete Frage. Das klingt simpel, ist es auch. Aber simpel und wirkungslos sind zwei verschiedene Dinge. Emojis füllen eine echte Lücke, und der Aktionstag macht auf genau diese Funktion aufmerksam. 

Eine Idee, ein Datum und ein Australier in London

Der World Emoji Day geht auf Jeremy Burge zurück, der 2013 Emojipedia gründete, eine Plattform, auf der dokumentiert ist, was jedes einzelne Emoji bedeutet, wie es auf verschiedenen Geräten aussieht und wo es herkommt. Burge nennt sich selbst „Emoji-Historiker", was auf den ersten Blick amüsant erscheint, bis der Wert dieser Arbeit deutlich wird. Denn Emojis sind nicht standardisiert. Ein Herzgesicht auf dem iPhone sieht anders aus als auf einem Android-Gerät, und was auf dem einen süß wirkt, kann auf dem anderen unerwartet gruselig sein.

2014 rief Burge den World Emoji Day aus, wobei der 17. Juli nicht zufällig als Termin gewählt wurde. Das Kalender-Emoji zeigte lange Zeit auf vielen Geräten dieses Datum an, weil Apple seinen Kalender iCal am 17. Juli 2002 auf einer Messe in New York vorstellte, das Datum irgendwann im Icon einfror und es über einen längeren Zeitraum nicht geändert wurde. Schon war der Termin für den Aktionstag gefunden.

Was am 17. Juli passiert

Mittlerweile ist der Tag für einige Unternehmen ein wichtiger Termin. Apple nutzt ihn seit Jahren für eine erste Vorschau auf neue Emojis, die mit dem nächsten iOS-Update kommen. So nutzt das Unternehmen den Aktionstag strategisch clever, denn kein anderer Termin erzeugt so viel organische Aufmerksamkeit für neue Symbole.

Emojipedia vergibt an diesem Tag die World Emoji Awards. Nutzer stimmen ab, welches neue Emoji das beliebteste war, welches am meisten erwartet wurde und welches das Jahr am besten zusammenfasst. Dieses populäre Online-Voting wird inzwischen sogar von Tech-Medien und Tageszeitungen aufgegriffen, was zeigt, wie weit Emojis als Kulturphänomen ernst genommen werden.

Außerhalb der Tech-Welt hat der Tag ebenfalls Spuren hinterlassen, manche davon durchaus schräg. 2015 brachte Pepsi mit Emojis verzierte Dosen heraus, 2017 strahlte das Empire State Building in Emoji-Gelb. Im selben Jahr brachte Sony Pictures den Film „The Emoji Movie“ raus. Und Kim Kardashian nutzte den World Emoji Day 2018, um ihre Kimoji-Parfümlinie zu launchen. Das Ganze zeigt, wie ein Phänomen aus der Kommunikationskultur so stark wurde, dass es zur Marketingmaßnahme taugt. 

Auf Social Media ist der 17. Juli ohnehin ein verlässlicher Anlass für kollektive Selbstbefragung. Welches Emoji nutze ich am häufigsten? Welches habe ich noch nie verstanden? Wer sich eine Stunde durch den Hashtag #worldemojiday scrollt, stellt fest, wie unterschiedlich Menschen dieselben kleinen Symbole lesen und verwenden. Der umgekehrte Smiley zum Beispiel sieht aus wie ein freundliches Lächeln, meint aber fast immer etwas anderes. Laut Emojipedia wird es verwendet, um „Ironie, Sarkasmus, Witze oder ein Gefühl von Albernheit oder Dummheit zu vermitteln“.

Emojis als Rhetorik

In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise verändert, wie Emojis eingesetzt werden. Klassische Gefühlssymbole wie das lachende Gesicht mit Tränen gelten bei jüngeren Nutzern inzwischen als altmodisch, fast ein bisschen uncool. Stattdessen übernehmen andere Symbole Aufgaben, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Bild zu tun haben. So markiert das Funkeln Relevanz, eine Flamme drückt Dringlichkeit aus und ein Fingerzeig lenkt den Blick. Das ist mittlerweile mehr Interpunktion mit Bildmaterial als Emotion.

Emojis sind damit längst aus ihrer ursprünglichen Rolle herausgewachsen. Sie strukturieren Texte, setzen Betonungen und funktionieren in einem Umfeld, in dem Informationen möglichst „auf einen Blick“ erfasst werden müssen. 

 

Redaktioneller Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei dem vorliegenden Text auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet.

 


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