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Sichere Telefonie in Praxis und Pflege: Ohne sichere Telefonie bleibt auch die beste Praxis-IT angreifbar

Wenn Unternehmen über ihre IT-Sicherheit diskutieren, stehen in der Regel die Hard- und Softwareprodukte im Fokus, die direkt für den Unternehmenszweck eingesetzt werden. Im Healthcare-Segment sind dies etwa Praxisverwaltungs- und Pflegedokumentationssysteme. Ein weiteres Einfallstor für Angriffe von außen wird jedoch erstaunlich häufig außer Acht gelassen: die Telefonie- und Kommunikationslösungen, die für den Austausch mit Patienten, Angehörigen, aber auch Partnern und Lieferanten genutzt werden. Das kann sich rächen. Doch was zeichnet eine sichere Telefonie-Lösung für Praxen und Pflegeeinrichtungen aus? Und worauf kommt es mit Blick auf Regularien wie NIS-2 oder CRA bei der Telefonie an?

Das kürzlich vom Innenministerium veröffentlichte Bundeslagebild „Cybercrime 2025“ zeichnet ein düsteres Szenario: Im letzten Jahr wurden in Deutschland rund 334.000 Fälle von Cybercrime im engeren Sinne registriert, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher ausfallen. Die Gefahr besteht branchenübergreifend. Prominentes Beispiel für Attacken auf den Gesundheitssektor sind die Angriffe auf Kliniken im gesamten Bundesgebiet im Mai.

Auch Praxen und Pflegeeinrichtungen sind von der Bedrohung betroffen – sie stellen aufgrund der sensiblen Patientendaten ein besonders attraktives Ziel für Cyberkriminelle dar. Eine sorgfältige Auswahl sicherer IT-Systeme und deren umfassender Schutz sind also grundlegend, um entsprechende Risiken zu verringern. Jedoch werden Telefonie und Kommunikationsnetze in Sicherheitsbetrachtungen regelmäßig unterschätzt, obwohl sie faktisch zur kritischen Infrastruktur zählen. Heutige VoIP-Systeme (Voice over IP) sind letztlich selbst Server mit Standardbetriebssystem. Moderne ITK-Systeme unterstützen die Abwehr von Angriffen und bieten weitere Mehrwerte: 

  • Weniger Ausfallrisiko und gesicherte Erreichbarkeit im Notfall.
  • Erfüllung regulatorischer Anforderungen (NIS‑2, CRA) mit nachweisbaren Maßnahmen.
  • Vermeidung von Kosten durch Missbrauch (Premium-/Auslandsgespräche).
  • Entlastung des IT-Personals durch klare Zuständigkeiten und Monitoring.

Weit verzweigt: Telefonie ist mit zahlreichen Systemen verbunden

Die Telefonie ist „nach außen“ mit dem Web und „nach innen“ mit verschiedenen Systemen verbunden, die Gesundheitsdaten verarbeiten, und kann somit zum Einfallstor für Cyberattacken werden. So verbindet eine CTI-Integration (Computer Telephony Integration) die Telefonanlage mit Praxisverwaltung, Pflegedokumentation und Verzeichnissystemen, die beispielsweise Adressdaten enthalten. Zudem ist die Telefonie in der Regel via Alarmserver an Ruf- und Brandmeldesysteme gekoppelt.

Dazu kommen externe Dienste wie SIP-Trunks (Session Initiation Protocol), welche für die Verbindung zwischen lokaler Telefonie und dem öffentlichen Telefonnetz sorgen. Weitere Beispiele sind Remote-Monitoring und -Wartung, die mittels Zugriff aus dem Internet umgesetzt werden. Bei cloudbasierten Lösungen besteht zudem die Verbindung zur Infrastruktur des Cloudanbieters. Wie in allen IT-Umgebungen, sind auch mit Blick auf die VoIP-Telefonie die Schnittstellen zwischen den Systemen bevorzugte Angriffsziele. Entsprechend zuverlässig müssen sie abgesichert sein. Zu den besonders kritischen Übergängen zählen jene zwischen internem und externem Netz, wie etwa Firewalls oder Session Border Controller (SBC), CTI-Schnittstellen und Fernwartungszugänge.

Moderne Verwaltungstools, veraltete TK-Anlage 
Anfang des Jahres hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Empfehlungen zur Steigerung der IT-Sicherheit von Praxisverwaltungssystemen und zur Verbesserung der IT-Sicherheit von Pflegedokumentationssystemen veröffentlicht. Anlass waren die Ergebnisse von Penetrationstests, die gleich mehrere Schwachstellen in den Lösungen aufgedeckt hatten. Das Problem: In vielen Praxen und Pflegeeinrichtungen sind noch immer ältere Telefonanlagen im Einsatz, die über keinen ausreichenden Schutz verfügen. So lassen sie etwa keine Multi-Faktor-Authentifizierung zu, unterstützen Fail2Ban nicht und bieten keine sichere Verschlüsselung. Häufig sind die Remote-Zugänge nicht oder nicht ausreichend geschützt, weil etwa veraltete VPN-Protokolle oder offene Wartungsports verwendet werden.

Wenn aber Angreifer über die ITK-Infrastruktur Zugang erhalten, helfen die BSI-Empfehlungen nicht und die eigentlich gehärteten Systeme können kompromittiert werden. Deshalb nimmt das Gesetz zur Umsetzung der NIS-2 (NIS2UmsuCG) nicht einzelne Geräte, Komponenten oder Software in den Fokus, sondern betrachtet ganze Prozesse. Kommunikationssysteme spielen in zahlreichen Arbeitsabläufen eine Rolle und sind daher beim Informationssicherheitsmanagement zu berücksichtigen.

Gekaperte Daten, hohe Kosten

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei der CTI-Integration, also der Verbindung zwischen Telefonanlage und Software. Ein Anruf lässt sich damit schneller einem Kontakt zuordnen, ein Rückruf direkt aus der Anwendung starten. In Praxen und Pflegeeinrichtungen berührt die Telefonie dadurch aber sensible Patienten- und Pflegedaten wie Termine, Diagnosen oder Notfallkontakte, sobald sie mit Praxisverwaltung, Pflegedokumentation oder Verzeichnissystemen verbunden ist. Das erklärt, warum eine unsichere Telefonanlage mehr als nur ein isoliertes technisches Problem sein kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem SIP-Trunk, der den Aufbau von Gesprächen steuert. Er verbindet die Telefonanlage mit dem öffentlichen Telefonnetz. Für den Betrieb ist diese Verbindung unverzichtbar. Für Angreifer ist sie interessant, weil sich SIP-Zugänge automatisiert suchen und testen lassen. Gelingt der Zugriff, können durch missbräuchliche Routings hohe Kosten entstehen. Auch das Kapern von Gesprächsdaten oder Angriffe auf die Verfügbarkeit gehören zu den realistischen Szenarien.

Updatefähigkeit als entscheidendes Kriterium

Bei älteren Anlagen verschärft sich das Problem. Solange ein System Sicherheitsupdates erhält, lassen sich neu entdeckte Schwachstellen schließen. Endet der Support, bleiben bekannte Lücken bestehen. Kommen offene Wartungsports, schwache Passwörter oder nicht gepflegte Alarmierungslösungen hinzu, entstehen Einstiegspunkte, die im Alltag oft lange unbemerkt bleiben. Das gilt besonders dort, wo wenig IT-Personal vorhanden ist und der Zeitdruck hoch ist. 

Die Folgen zeigen sich nicht erst bei einem vollständigen Ausfall. Schon kompromittierte Zugangsdaten können dazu führen, dass Angreifer Auslandsgespräche oder Mehrwertnummern einrichten. Fehlende Verschlüsselung kann Gesprächsinhalte gefährden. Brute-Force-Angriffe auf SIP-Konten oder VoiceMail-PINs belasten Systeme und öffnen im schlimmsten Fall weitere Wege ins Netz. Kompromittierte TK-Systeme können zudem als Sprungbrett zu anderen IT-Systemen in Praxis oder Pflegeeinrichtung dienen. Damit geraten ausgerechnet jene Systeme in Gefahr, die das BSI überprüft und für die es Empfehlungen ausgesprochen hat. 

Feste Zuständigkeiten sorgen für sichere Abläufe

Für Einrichtungen, die unter NIS-2 fallen, ist Informationssicherheit Chefsache. Das gilt auch für die Telefonie, selbst wenn das Gesetz Telefonanlagen nicht explizit nennt. Externe Dienstleister, Provider oder Hersteller übernehmen zwar wichtige Aufgaben, die Gesamtverantwortung liegt jedoch beim Betreiber. Leitung, IT-Verantwortliche und Dienstleister müssen Zuständigkeiten deshalb so regeln, dass Steuerung und Kontrolle nachvollziehbar bleiben.

Für die Telefonie ist eine klare Übersicht der erste Schritt. Welche Anlage ist im Einsatz? Welche Endgeräte, Alarmserver und mobilen Lösungen sind angebunden? Welche Dienstleister haben Zugriff? Welche Verbindung besteht zu Cloud-Diensten, SIP-Trunks oder zur Fernwartung? Diese Fragen klingen zwar technisch, dienen aber einem einfachen Zweck: Die Verantwortlichen müssen wissen, welche Kommunikationswege für den Betrieb kritisch sind und wo sich Risiken verbergen.

NIS-2: Wie sehen geeignete Schutzmaßnahmen aus? 

Aus der Bestandsaufnahme folgt die Absicherung. Die Grundlage bilden starke Authentifizierung, verschlüsselte Verbindungen und ein klares Rechtekonzept. Fernwartung darf nur über gesicherte Zugänge erfolgen und nachvollziehbar geregelt sein. Bei der IP-Telefonie müssen zudem die Signalisierung mittels TLS- und die übertragenen Sprachdaten selbst mittels SRTP-Verschlüsselung gesichert sein. Eine zuverlässige Protokollierung hilft zusätzlich, fehlgeschlagene Registrierungen, ungewöhnliche Anrufziele oder viele Anmeldeversuche in kurzer Zeit zu erkennen. Moderne Systeme können derartige Muster protokollieren, Verbindungsversuche begrenzen oder Auffälligkeiten an ein Monitoring weitergeben.

Der Cyber Resilience Act, kurz CRA, ergänzt diesen Blick um die Verantwortung der Hersteller. Er betrifft vernetzte Produkte und Software mit digitalen Elementen. Für Praxen und Pflegeeinrichtungen zählt bei einer neuen Telefonielösung deshalb nicht allein der Funktionsumfang. Entscheidend ist auch, ob der Hersteller Sicherheitsupdates über den Lebenszyklus des Produkts hinweg bereitstellt, Schwachstellen strukturiert bearbeitet und den sicheren Betrieb nachvollziehbar unterstützt. Entwicklung und Support aus Deutschland oder der EU können dabei ein zusätzlicher Vertrauensfaktor sein, da die Anbieter im europäischen Rechtsrahmen handeln.

Hersteller und Betreiber gleichermaßen in der Pflicht

Der Betreiber bleibt dennoch gefordert. Eine updatefähige Anlage hilft nur, wenn verfügbare Updates auch geplant und eingespielt werden. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit Dienstleistern: Wartung, Reaktionswege und Sicherheitsanforderungen sollten so klar geregelt sein, dass im Störfall keine Fragen mehr offen sind. Gerade im Gesundheits- und Pflegebereich zählt Verlässlichkeit, weil Telefonie weit über normale Bürokommunikation hinausgeht. Sie hält Rufbereitschaften erreichbar, verbindet Standorte, unterstützt Alarmierung und schafft den direkten Kontakt zu Patienten, Angehörigen und Partnern.

Deshalb gehört auch die Business Continuity zur sicheren Telefonie: Bei technischen Störungen muss die Kommunikationsfähigkeit gewahrt bleiben. In der Praxis beginnt das mit eher einfachen Fragen: Gibt es eine unterbrechungsfreie Stromversorgung für Telefonanlage, Router und zentrale Netzkomponenten? Kann bei Ausfall des Internetanschlusses ein Mobilfunkweg über LTE oder 5G greifen? Sind Rufumleitungen vorbereitet, falls die lokale Anlage nicht erreichbar ist? Moderne SIP-Trunk-Lösungen wie etwa COMuniq Voice bieten pro Rufnummer ein Failover auf ein eigenes Ziel. So bleiben Mitarbeitende auch bei einem vorübergehenden Ausfall der Telefonanlage vor Ort erreichbar.

Technische Fallbacks entfalten ihren Wert aber erst, wenn die Organisation sie kennt. Ein Notfall- und Wiederanlaufplan sollte festlegen, wie kritische Kommunikation im Falle eines Ausfalls weiterläuft. Dazu gehören Diensthandys, alternative Netze, papierbasierte Notfalllisten und klar definierte Rollen im Krisenteam. Pflegeeinrichtungen und Praxen sollten diese Abläufe regelmäßig testen. Erst dann zeigt sich, ob die geplanten Wege auch im Alltag funktionieren.

Sichere Telefonie: Die richtigen Fragen führen zum Ziel

Telefonie ist Teil der digitalen Prozesskette in Praxen und Pflegeeinrichtungen. Wer sie sicher betreiben will, braucht einen umfassenden Blick auf den Bestand, klare Zuständigkeiten und Lösungen, die heutige Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit erfüllen. Die richtigen Fragen helfen dabei, Risiken zu erkennen, bevor aus Schwachstellen Ausfälle oder Angriffe werden. Auerswald unterstützt Einrichtungen dabei, sichere Telefonielösungen zu erkennen, bestehende Risiken zu identifizieren und geeignete Schutzmaßnahmen zu planen. Auf der Unternehmenswebsite stehen als ersten Einstieg eine Checklist, Handlungsempfehlungen und weiterführende Informationen kostenlos zur Verfügung.
 

Redaktioneller Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei dem vorliegenden Text auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet.

 


Wer wir sind

Wir bei Auerswald gehören zu den führenden deutschen Herstellern von innovativen Kommunikationslösungen für VoIP-Infrastrukturen. Unsere Produkte produzieren wir dabei ausschließlich an unserem Hauptsitz in Cremlingen bei Braunschweig.

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