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Blick in die Glaskugel?

Blick in die Glaskugel?

Vor einiger Zeit bat mich Juliane Thor von Auerswald um einen Gastbeitrag im Clever Blog. Ein schönes Thema hat Sie sich für mich ausgesucht: „Sie könnten etwas über die Zukunft des Fachhandels schreiben.“ Ich soll also einen Blick in die Glaskugel werfen? Die Zukunft des Fachhandels, oh je, wo ich doch lieber über positive Dinge schreibe 😉

Es ist kein Geheimnis, dass immer mehr Fachhändler der Branche durch den zunehmenden Druck von Flächenmärkten und Online frustriert aufgeben müssen. Wie z. B. ein Krefelder Fotohändler, der kürzlich seinen Laden schloss und seinem Frust mit einem offenen Brief im Schaufenster kundtat.

Das Problem ist längst nicht nur auf die Elektronikbranche beschränkt, in der die Margen schon immer knapper kalkuliert waren als anderswo. Die Textilbranche kämpft mit Billigketten wie Primark, H&M und Onlinern wie Asos oder Zalando. Und der Kampf ist auch nicht nur auf das günstige Segment beschränkt, auch traditionsreiche Luxusgeschäfte, wie das Düsseldorfer Modegeschäft Eickhoff an der Königsallee, schließen. Die Gründe sind mehr oder weniger die gleichen wie beim Krefelder Fotohändler.

Der Fachhandel ist allerdings nicht erst seit gestern totgesagt, ähnliche Problem gab es schon im 19. Jahrhundert, als sich die großen Kaufhäuser breit machten und den kleinen Händlern und Handwerkern die Kunden wegnahmen. Hierzu habe ich kürzlich im Herweck Blog einen Buchtipp gegeben, dem interessierten Leser sei die Lektüre dringend empfohlen. Damals hieß der Feind also Kaufhaus, Ende des 20. Jahrhunderts hieß er Flächenmarkt, heute ist es der Onliner.

Ich würde einfach mal behaupten, dass 90% der Menschen gerne shoppen gehen (Okay, zumindest Frauen). Einkaufen macht Spaß. Es ist kommunikativ, man trifft sich, geht vielleicht anschließend noch ins Café. Das ist heute im Grunde nicht viel anders als im Mittelalter. Die Märkte damals waren für die Menschen stets ein Moment des Austauschs. Das Einkaufen und was damit verknüpft ist, scheint ein ureigenes Bedürfnis zu sein, das über die reine Bedarfsdeckung hinausgeht.

Und wir wissen alle, es gibt gute Gründe im Fachhandel zu kaufen.
Ich persönlich, und sicher andere auch, bin gerne bereit, für meine Auerswald Anlage ein paar Euro mehr im Fachhandel zu zahlen. Statt meine Lebenszeit mit der Installation zu verplempern, denn mal ehrlich, irgendwas passt doch immer nicht, auch wenn es noch einfaches Plug und Play ist. Das funktioniert nicht mal so ganz problemlos mit der Adressübertragung beim ach so einfachen iPhone, bei dem doppelte Adressen synchronisiert werden. (Und NEIN, ich habe nix falsch gemacht, das hat auch der Mann von der Apple-Hotline gesagt und mir eine App zum Bereinigen empfohlen). Hand aufs Herz, liebe Leser: Wieviel Lebenszeit habt Ihr schon mit Ärgernissen Eurer geliebten 75 technischen Geräte verbraucht, vom TV bis zum Computer?

München, Hamburg oder eine x-beliebige Kreisstadt in Deutschland mit 50.000 Einwohnern. Immer die gleichen Ketten, die gleichen Shops in den Innenstädten. Wollen wir diese Monotonie wirklich? Wollen wir nicht lieber etwas mehr Individualität und Abwechslung und Persönlichkeit? Der Händler vor Ort sorgt genau für dieses Lokalkolorit, das wir alle so schätzen.

Lokaler Handel ist gut für die Region. Er schafft Arbeitsplätze. Wo Geschäfte sind, gibt es auch Cafés, Restaurants und andere Betriebe. Mit der Gewerbesteuer werden Einrichtungen für die Allgemeinheit finanziert, vom Spielplatz bis zum Schwimmbad, die das Leben in der eigenen Stadt lebenswert machen. Wer lokal kauft, hilft der Gemeinschaft, sorgt für Infrastruktur und hilft letztendlich auch sich selbst.

Dieses Bewusstsein gilt es zu schärfen. Darum haben wir bei Herweck die Initiative Shop Locally „Kauf hier“ ins Leben gerufen, mit der wir dem Händler vor Ort helfen wollen, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen den lokalen Händler in den Köpfen der Kunden zu verankern und zu stärken. Als erste Aktion, die die Aufmerksamkeit auf die Stärken des lokalen Handels lenken soll, haben wir die „Free Hugs“ Promotion konzipiert. Durch kostenlose Umarmungen kommt der Händler definitiv ins Gespräch mit den Passanten.

An alle Skeptiker und Berührungsscheue! Es funktioniert! Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass in Kaiserslautern bei der Aktion, Tränen geflossen sind.

Als lokaler Händler, ist es wichtig, Online nicht zu verteufeln, sondern es ebenfalls als Waffe zu nutzen. Immer mehr Kunden, auch solche, die gar nicht online kaufen, informieren sich vorher über Lage der Geschäfte, Verfügbarkeit, Preise im Internet. Darum ist es wichtig eine Webseite zu haben, eine Facebook-Seite, einen Google Places Eintrag und einiges mehr.

Geldverdienen mit den richtigen Produkten ist natürlich auch wichtig :-). Darum bin ich jetzt schon gespannt, auf den nächsten Artikel von Auerswald in unserem Blog: Da wollen wir dann genau wissen, wie Auerswald denn die Fachhändler stärkt. Fakt ist:  Gemeinsam ist es immer leichter und man braucht die richtigen Partner! Für diese Feststellung brauche ich dann auch definitiv keine Glaskugel.

Sabine Frisch leitet die Marketingabteilung des ITK-Distributors Herweck. Mit der Initiave Shop Locally will Herweck den lokalen Handel stützen. Sie würde sich freuen, wenn Sie auch Ihren Blog lesen, oder auf Facebook liken.

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Ein Kommentar

  1. Daniel Latzke
    25. Juli 2014 um 00:01

    Chapeau !!
    Ein inhaltlich richtiger und gut ausgedrückter Beitrag.
    Diese in Deutschland mittlerweile weit verbreitete (wie es ein Elektronikriese ausgedrückt hat) GEIZ IST GEIL Mentalität macht dem Fachhandel zu schaffen. Man lässt sich beraten und bestellt dann online. In letzter Konsequenz wird dann den Städten und Kommunen von den Bürgern vorgeworfen sie würden nichts für die Infrastruktur machen und dabei sind es doch die Konsumenten die den Fachhandel ausnutzen und somit in die Knie zwingen.
    Dies ist ein Grund warum wir als Hersteller für Türsprechanlagen den dreistufigen Vertriebsweg konsequent gehen und kein Onlinegeschäft für den Endkunden zulassen. Wir haben technisch erklärungsbedürftige Produkte und möchten diese auch von Fachpersonal vermarktet. Installiert und in Betrieb genommen haben. Nur so haben Handel und Handwerk langfristig „Spaß“ mit uns zu arbeiten und Geld zu verdienen !!


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