Clever Blog

SIPconnect 1.1: Weltweiter Standard für hochwertige IP-Telefonie

SIPconnect 1.1: Weltweiter Standard für hochwertige IP-Telefonie

Um den Begriff SIP (Session Initiation Protocol) kommt niemand herum, der sich mit Voice-over-IP (VoIP) beschäftigt. Dahinter steht ein Übertragungsprotokoll, welches dafür sorgt, dass per Internet-Protokoll Sprachverbindungen zu einem Telefonprovider aufgebaut werden können. Damit dies auch für IP-basierte Telefonanlagen unkompliziert funktioniert und nicht nur für Einzelgeräte, ist eine Spezifizierung erforderlich. Inzwischen bietet sich hierfür das international genormte Protokoll SIPconnect 1.1. Der technische Hintergrund ist simpel: Damit einzelne VoIP-Endgeräte funktionieren können, muss sich jedes Endgerät beim Server des Carriers registrieren, mit einem Login-Namen und -Passwort. Was aber, wenn es sich nicht um einen Account für ein VoIP-Endgerät handelt, sondern um eine Telefonanlage mit zig Nebenstellen – wie sie in Unternehmen nun mal üblich sind? Dann wird diese SIP-Registrierung pro Nebenstelle zu aufwendig.

Noch vor wenigen Jahren musste beim Provider aufwändig für jede einzelne Nebenstelle bzw. Durchwahlrufnummer solch ein Account eingerichtet werden. Und nicht alles war möglich, wenn man Einzel-Accounts mit einer IP-Telefonanlage verwenden wollte. So war die eigenständige Erstellung von Rufnummernplänen und Zuweisung von Durchwahlrufnummern unterschiedlicher Länge, beispielsweise eine Ziffer „0“ für die Zentrale und drei Ziffern für die Einzelanschlüsse, via herkömmlicher IP-Telefonie nicht zu machen. Die Lösung dafür und damit deutlich mehr Komfort brachte so genanntes SIP-Trunking. Mit dieser Technik weist der Provider jeder IP-basierten TK-Anlage Blöcke von bis zu 10.000 Rufnummern zu – mit nur einer SIP-Registrierung bzw. einem Account, der so viel leichter administriert werden kann. Anders ausgedrückt: Mit nur einem Anschluss ist die direkte Durchwahl – so genanntes Direct Dial In – auf viele Endgeräte mit jeweils eigenen Durchwahlnummern und sogar auf verschiedene Standorte möglich. Wie genau die Sprachübertragung abzulaufen hat, regelt – wie stets bei IP-basiertem Datentransfer – ein Übertragungsprotokoll, in diesem Fall das „Session Initiation Protocol“, kurz SIP. Für Telefonanlagen allerdings brauchte es fürs SIP eine Spezifizierung, die SIP-Trunking ermöglichte. Diese fiel von Carrier zu Carrier zunächst unterschiedlich aus. Geschätzt entstanden so einige hundert SIP-Spezifikationen, die in Form von sogenannten “Requests for Comments” (kurz RFC) als Ergänzung zum Internetprotokoll veröffentlicht wurden und zum Einsatz kamen und kommen.

Den Hardware-Herstellern bereitete diese Vielzahl von Spezifikationen allerdings großen Aufwand. Zudem brachte dieser Mangel an Standardisierung für die Kunden den Nachteil mit sich, dass sie beim Wechsel von Hardware oder des Providers deutlich beschränkt waren. Für alle Beteiligten also eine unbefriedigende Situation, die das SIP Forum auf den Plan rief. Diese international tätige Non-Profit-Organisation entwickelte im Jahr 2011 das inzwischen weltweit als Industrienorm anerkannte SIPconnect 1.1-Protokoll. In Deutschland bemühte und bemüht sich der Branchenverband BITKOM intensiv um die Implementierung von SIPconnect 1.1 und festigte diesen Standard durch die Veröffentlichung einer Ergänzungsspezifikation, die die bestmögliche Interpretation  für die deutschen Verhältnisse darstellt.

Das SIPConnect 1.1-Protokoll ermöglicht zwei unterschiedliche Verfahren, die auf verschieden große TK-Anlagen ausgelegt sind: So kann der SIP-Trunk über eine Registrierung der TK-Anlage beim Provider mit einem Login-Namen und einem Login-Passwort erfolgen. Dieser sogenannte “Registrierungs-Modus” empfiehlt sich für kleinere und mittlere TK-Anlagen. Groß-Telefonanlagen – gerade aus dem angloamerikanischen Raum – erwarten hingegen eher einen SIP-Trunk, bei dem sich die Telefonanlage mit einer fixen, öffentlichen IP-Adresse authentifiziert, die der Internetprovider dem Kunden zugewiesen hat. Dies wird auch als “Fix-IP-Authentifizierung” bezeichnet. Wenn man beides mit der Zustellung von Briefen vergleichen würde, wäre der Registrierungs-Modus die Briefzustellung zu einem Postfach und die Fix-IP-Authentifizierung die Zustellung zur postalischen Adresse.

Die QSC AG bietet seit Winter 2014 einen IP-basierten Telefonanlagenanschluss an, der mit dem SIPconnect 1.1-Protokoll kompatibel ist. Dieser SIP-Trunk namens „IPfonie extended connect“ ist flexibel skalierbar, vielseitig und auch für größere Ausbauten einsetzbar. Er eignet sich für alle Nutzer von TK- und UCC-Anlagen, die ebenfalls SIPconnect 1.1 unterstützen. Ihnen bietet der Sprachanschluss eine direkte Verbindung zum NGN-Netz (Next Generation Network) der QSC AG – und dies ohne dazwischenliegende ISDN-Schnittstellen und -Gateways. Im Mai 2015 hat auch Auerswald seine ITK-Systeme für „IPfonie extended connect“ zertifizieren lassen.

Über den Autor:
Andreas Steinkopf arbeitet bei der QSC AG als Produktmanager für SIP-Trunks. In dieser Funktion engagiert sich der studierte Elektrotechniker seit vielen Jahren in SIP-Protokoll-Gremien. Die QSC AG bietet mittelständischen Unternehmen umfassende ITK-Services aus einer Hand: von der Telefonie, Datenübertragung, Housing, Hosting bis zu IT-Outsourcing und IT-Consulting. Seit neun Jahren betreibt sie ein eigenes komplett IP-basiertes Netz – ein so genanntes Next Generation Network (NGN). Darüber realisiert sie neben Internet-Access auch verschiedenste IP-Telefonie-Produkte, die mehrfach ausgezeichnet wurden.

← All-IP-Umstellung alias der Tod von ISDN Ist Ihr Auto immer noch intelligenter als Ihr Haus? →

Ihr Kommentar

Bitte alle Felder mit einem * ausfüllen