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Höhere Sprachverständlichkeit am Telefon – wie geht das?

Höhere Sprachverständlichkeit am Telefon – wie geht das?

In diesem Beitrag soll einmal die so genannte „künstliche Sprachbandbreitenerweiterung“ erklärt werden, die in den Geräten der Serien COMfortel 3500, COMfortel 3200, COMfortel 2600 IP und COMfortel 1400 IP eingebaut ist, eine Technologie aus einer Zusammenarbeit mit dem Institut für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig.

Was ist zunächst das Problem? In der klassischen Sprachtelefonie mit Bandbegrenzung bei etwa 3400 Hz und dem gewohnt dumpfen Klang versteht man jede zehnte Silbe falsch. Das merkt man vor allem bei Eigennamen, geografischen Namen, Ziffern und Zahlen oder aber grundsätzlich in einer Fremdsprache. Gerade im beruflichen Umfeld ist das Englische aber dominant für viele von uns.

Lösung bisher? Das Buchstabieralphabet „Ida“, „Heinrich“, „Kaufmann“, … Wem fällt das schon immer ein? Sperrig ist es allemal… Und statt „zwei“ sollte man lieber „zwo“ sagen, oder „Juno“ statt „Juni“. Wo leben wir denn? Im 21. Jahrhundert?

Andere Lösung: Ja, richtig, die HD-Telefonie. Viele Systemtelefone/VoIP-Telefone unterstützen ja bereits seit einiger Zeit den G.722-Sprachcodec, der Breitbandsprache ermöglicht (bis 7 kHz obere Grenzfrequenz). Da versteht man 98% aller Silben, das ist hochkomfortabel und entspannend. Wer es erlebt hat, möchte es nicht mehr missen. Aber wann erlebt man es? Nur bei einer Ende-zu-Ende-VoIP-Verbindung und entsprechenden HD-fähigen Endgeräten auf beiden Seiten. Im Mobilfunk ist es noch schlimmer: Immerhin drei Netzbetreiber bieten in Deutschland schon HD Voice, wie es dort heißt (Telekom, Vodafone, E-Plus). Aber auch hier benötigen beide Gesprächspartner HD-Voice-fähige Endgeräte, die SIM-Karten müssen von den richtigen Anbietern kommen (bestimmte Kombinationen der SIM-Karten, manche Billiganbieter, funktionieren nicht), und es müssen derzeit noch dieselben Netze sein (Telekom-Netz zu Vodafone-Netz also noch nicht möglich). Also da gehört schon viel Glück dazu, dass es klappt, mit HD Voice… Weitere Konsequenz all dessen: Mobil-zu-Festnetz-Calls bieten derzeit im Grundsatz noch keine HD-Telefonie!

Wie also können Nutzer hochwertiger Endgeräte (HD-Telefonie-tauglich) eine konsistente Verbesserung der Sprachqualität und Sprachverständlichkeit erleben? Konsistent in dem Sinne, dass unabhängig von der Verbindung und dem Endgerät des Gesprächsteilnehmers alle eingehenden Anrufe besser verständlich sind?

Das schafft die künstliche Sprachbandbreitenerweiterung, ein Feature, das empfangsseitig jede schmalbandige Sprachverbindung mit Frequenzanteilen ausstattet, die auch oberhalb 4000 Hz liegen und damit Laute wie „s“ und „f“, aber auch andere Laute besser verständlich machen. Normalhörende und Schwerhörende mit Hörgerät profitieren von dieser Technologie durch eine bis zu 20% erhöhte Sprachverständlichkeit – gerade bei Frikativlauten. Die Qualität liegt irgendwo zwischen echter HD-Telefonie und Schmalbandtelefonie; in den meisten Fällen so etwa auf halbem Wege. Es ist ein Feature für HD-fähige Endgeräte, das den leider häufigen Fall, dass es echtes HD aus o.g. Gründen nicht gibt, abfedert. Übrigens: Die Entwickler des Verfahrens, mit dabei auch maßgeblich Dipl.-Ing. Patrick Bauer und Marc-André Jung, M.Sc., vom Institut für Nachrichtentechnik, sind kürzlich mit dem Technologietransferpreis 2014 der IHK Braunschweig ausgezeichnet worden. Wir freuen uns für alle, die die neue Technik nutzen.

FingscheidtÜber den Autor:
Prof. Dr.-Ing. Tim Fingscheidt ist seit 2006 Universitätsprofessor an der Technischen Universität Braunschweig und Leiter der Abteilung „Signalverarbeitung“ am Institut für Nachrichtentechnik. Nach vielen Auszeichnungen erhielt er im November 2014 mit seinen Mitarbeitern Dipl.-Ing. Patrick Bauer und Marc-André Jung, M.Sc., den Technologietransferpreis der IHK Braunschweig.

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2 Kommentare

  1. Peter Peckedrath
    15. Dezember 2014 um 11:06

    Künstliche Sprach-Bandbreitenerweiterung einfach erklärt!


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